Graf Saint Germain in der Literatur

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Friedhard Radam

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Gegnerschaft und Konkurrenz
Nicht vergessen darf man bei zeitgenössischen Zeugnissen Konkurrenzneid und Feindschaft. Der "portugiesische Jude" Choiseuls, diese aus der Wut des Augenblicks heraus entstandene Bezeichnung für Saint-Germain, wirkt bis in unsere Tage nach. Gründlicher aber noch zu unterminieren versucht hat seinen Ruf Giacomo Casanova.
Wir treffen auf den Grafen von Saint-Germain an etlichen Stellen seiner "Memoiren", denn sie sind sich verschiedentlich begegnet. Der Ausdruck "Ihre Wege kreuzten sich" ist hier äußerst zutreffend, denn Casanova war jedesmal bemüht, sich möglichst schnell wieder aus Saint-Germains Nähe zu entfernen. Er sah in ihm überlegene Konkurrenz, und ihm war er nicht ganz geheuer. Giacomo Casanova de Seingalt war zwar ein glänzender Schriftsteller und im Sinne der Aufklärung geistvoller Kopf, aber nichtdestoweniger ein Windmacher und Filou. Beide haben sich mit "alchimistischen" Experimenten abgegeben, aber während Saint-Germain versuchte, aus der Materie Erkenntnisse zu ziehen, suchte Casanova wirklich nur Stoff für Scharlatanerien. Die Marquise d'Urfée, die Saint-Germain, vorher ihr geistiger Berater, dem Chevalier de Seingalt schließlich' überließ, da ihre Sucht, leichtgläubiges Opfer zu sein, allzu stark war, starb, von Casanova geschwängert, in dem Glauben, in ihrem eigenen Kind wiederaufzuerstehen, und um eine Million Francs erleichtert.
Da Casanova bei Saint-Germain ähnliche Motive vermutete, aber sein größeres Können im "magischen" Dingen anerkennen mußte, hatte er schlicht Angst vor ihm. Es gibt eine Szene, in der er ihn anbettelt und sich gleichzeitig über seine schlechte Gesundheit beklagt. Das Geld, das ihm Saint-Germain offerierte, nahm er, die gleichfalls angebotene Medizin nicht. - Aus dieser Haltung heraus wird der Graf von Saint-Germain in dem berühmtesten der zeitgenössischen Memoirenwerke beschrieben.



Technische Gründe
Hierzu gehört in erster Linie der Verlust von Material. Saint Germain war, wenn auch um Entwicklung und Wohl des Volkes bemüht, ein Monarchist. Was seine eigene persönliche Existenz, genauer: sein Nachleben betraf, hätte er nachträglich durchaus recht gehabt, den Massen zu grollen. Napoleon III. hatte sich für die Gestalt des Grafen interessiert und den Auftrag gegeben, alles Erreichbare über ihn zu sammeln. Als die Pariser Kommune 1871 bei ihrem Aufstand das Rathaus der Stadt in Brand setzte, gingen damit unquantifizierbare und nicht zu qualifizierende Dokumente verloren. Die Nachwelt muß sich mit den Resten zufriedengeben. Dieser Verlust an Zeugnissen ist der spektakulärste, doch nicht der einzige. Vieles läßt sich nur erahnen. Saint-Germain, seinem Wesen nach sehr kommunikativ, hat offenbar viele Briefe geschrieben, erhalten, respektive bekannt ist nur eine sehr qerinqe Anzahl. Bei den Briefen an den Grafen Lamberg z.B. ist es ziemlich gewiß, daß sie verloren sind. Ziemlich gewiß heißt, eine andere Möglichkeit bleibt noch offen.
Das Ruhen unbekannten Archivmaterials ist anzunehmen, abschätzen an Umfang und Bedeutung kann man es nicht.

Hiermit komme ich zu den Schwierigkeiten, an solches Material heranzukommen. An erster Stelle steht hier natürlich das eigene Unwissen. Da Saint-Germain sehr viele Jahre seines Lebens inkognito, um nicht zu sagen im Untergrund, auf jeden Fall aber außerhalb der etablierten Gesellschaft verbracht hat, ist es kaum möglich abzusehen, wo überall noch Quellen erschlossen werden könnten. (Frau Irene Tetzlaff scheinen hier große Schritte gelungen zu sein. Leider aber wird der Dokumentenband zu ihrer Romanbiographie erst im nächsten Jahr erscheinen).
Zurückhaltung von Material. Wissen allein genügt jedoch noch lange nicht. Ich darf hier erwähnen, daß Frau Tetzlaff die materiellen Grundlagen für ihre beiden Darstellungen des Lebens St. Germains über 30 Jahre hin zusammengetragen hat. – Neben den Hindernissen von Zeit und Raum gälte es beim Zusammentragen von Zeugnissen auch Widerstände persönlicher Art zu überwinden, die sich der Herausgabe oder auch nur der Einsicht in sie entgegenstellen würden und entgegengestellt haben. Man weiß oder kann als sicher annehmen, daß in Archiven von Familien und Organisationen, vor allem solchen geheimerer Art, noch immer eine Menge von Material ruht, das nicht der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wird, da es zu sehr die Belange der Betreffenden berühren wurde. Bei gewissen Institutionen könnte dies sogar bis ins Politische reichen. –


dieser Text ist noch unvollständig in der Internetversion. Da er bisher praktisch unveröffentlicht ist, dürfte es besser sein ihn wenig ansprechend, als nicht zu publizieren. (fst) Ungestaltetes Scan-Exemplar Fußnoten aus techn. Gründen entfernt Die Seiten werden gelegentlich ergänzt.


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