Graf Saint Germain in der Literatur

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Friedhard Radam

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Fehler in der Wiedergabe
Ich meine damit sowohl die Wiedergabe von purer Realität als auch die von bereits vorhandenen Textgrundlagen, im Sinne von Weitergabe.
Bei den wirklichen Quellen muß man trotz prinzipieller Authentizität immer noch die relative Unkenntnis der Verfasser(innen) in einzelnen veranschlagen. Nicht jede berichtete Begebenheit ist unmittelbar selbst erlebt, und es wird nicht unbedingt zugegeben, was man nur vom Hörensagen kennt. Diese Haltung kann auf Gutgläubigkeit beruhen, aber auch auf dem Bestreben, sich interessant zu machen.
Zeitgenossen sind meist entweder kurzsichtig oder verblendet. Wie an heutigen Polizeischulen gelehrt wird, fällt es selbst professionellen Beobachtern schwer, alles zu behalten oder auch nur richtig zu sehen. Man kann die Überfülle von Lücken und ihre Ungenauigkeiten, die sich bei der Betrachtung des Grafen von Saint-Germain verzeichnen lassen, natürlich nicht verallgemeinernd auf sämtliche historischen Personen der Geschichte übertragen, aber sein Fall mag exemplarisch sein, da an ihm die Probleme des Ergründens historischer Fakten besonders deutlich werden. Die Recherchen über ihn ergeben vielleicht keinen Modellfall über die Fragwürdigkeit "historischer Wahrheit", aber doch ein Lehrstück über Ohrenzeugen.
Ich möchte das beispielhaft anhand einer Zitatenkette verdeutlichen:
Gustav Berthold Volz' Werk "Der Graf von Saint-Germain" (1923) ist, wie auf S. 66 schon erwähnt, ein Werk, daß jeder konsultieren muß, der sich im deutschen Sprachbereich mit Saint-Germain beschäftigt. Es wird auch weitaus am häufigsten als Literatur zum Thema angegeben. Nun ist Volz erklärtermaßen ein Verächter des Grafen und damit sichtlich nicht in der Lage, ihm Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Er interpretiert ihn schlicht falsch.

Volz bezieht seine Urteile weitgehend von Friedrich Bülau, der zwar Historiker und "Staatswissenschaftler“ war, aber seine "Geheimen Geschichten" dennoch recht feuilletonistisch wiedergab.
Bülau wiederum fußt nach eigenen Angaben sehr stark auf den "Denkwürdigkeiten" des Barons von Gleichen. Von Karl-Heinrich von Gleichen schließlich sagt der Philosoph Louis Claude de Saint-Martin, dem er gleichfalls ein Kapitel in seinen "Mémoires" widmet, er sei ein Mensch, der dreißigmal lüge, ehe er einmal die Wahrheit spreche.
Man kann noch einen Schritt weitergehen und sagen: es würde sich mühelos jemand finden lassen, der aus Saint-Martins Urteil - immerhin eines Verehrers Jacob Böhmes und Swedenborgs und damit für jeden Rationalisten a priori eines "Spinners" - gründlichst anzweifeln könnte. –


dieser Text ist noch unvollständig in der Internetversion. Da er bisher praktisch unveröffentlicht ist, dürfte es besser sein ihn wenig ansprechend, als nicht zu publizieren. (fst) Ungestaltetes Scan-Exemplar Fußnoten aus techn. Gründen entfernt Die Seiten werden gelegentlich ergänzt.


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