Graf Saint Germain in der Literatur

Namens-wechsel

 

 

Friedhard Radam

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Ein weiteres Beispiel:
Im Alphabetischen Katalog der Staats- und Universitätsbiblio¬thek Hamburg findet man unter "Saint-Germain, Louis Claude" eine Verweisung auf G. B. Volz: Der Graf von Saint-Germain, G. B. Volzens Arbeit ist als Quellensammlunq immer noch das Standardwerk im Deutschen über Rakoczy - Saint-Germain.
Hätte es nur dies eine Pendant gegeben, so wäre es im Laufe der Zeit vielleicht möglich gewesen, den Lebensstrang unseres Saint-Germain eindeutig herauszulösen. Jedoch es sind viel komplizier¬tere Verflechtungen denkbar. Laut Paul Charcornac gibt es allein drei weitere bekannte 'de Saint-Germains', dazu noch drei, die den Titel 'Marquis' trugen. -

Der Druckkatalog der Bibliothéque Nationale verzeichnet zwei Autoren, die ebenfalls in Frage kämen. Soweit das Aktenkundige; wie groß ist die Dunkelziffer? Paul Chacornac schreibt, es sei als wahr erwiesen, daß der Name des Grafen ein Pseudonym sei, dessen sich zu der Zeit mehrere "grands personnages" bedient hätten, wenn sie inkognito reisten. Man konnte sich mit Leichtigkeit selbst einen Namen zulegen, wofür unsere Figur selbst ja das beste Beispiel bietet. In einem Zeitalter, da es weder Lichtbilder noch Personalausweise im heutigen strengen Sinne gab, konnte bei einem Zusammentreffen mit einem "Saint-Germain" jedermann glauben oder sich selbst glauben machen, den Grafen kennengelernt zu haben; dies umso mehr, als die Be¬gegnung mit einem leibhaftigen Mythos ein Erlebnis war, mit dem man in der Gesellschaft hausieren gehen konnte.
Kurz: zuverlässig hätte über Zeiträume und Ländergrenzen hinweg unsere Person nur von jemand identifiziert werden können, der ihn genau kannte respektive wiedererkannte.
Damit nicht genug, scheint es so, als ob sogar Personen der direkten Bekanntschaft des Grafen mystifiziert worden seien.
In Paris gab es zu jener Zeit einen Schauspieler namens Gauve. Da er auch privat ein großer Imitator war und seine Kunst vor allem auf britische Charaktere anwandte, gab man ihm den Spitz¬namen "Mylord Gower". Den Spitzeln Choiseuls nun, der Saint-Germain wegen dessen Einfluß auf Madame Choiseul und seines ihm allzu vertrauten Umgangs mit dem König sehr stark beargwöhnte, war bald eine große Ähnlichkeit zwischen Saint-Germain und diesem Mylord Gower aufgefallen. Eine günstigere Koindizenz ließ sich kaum denken. Damals fanden die geselligen Aktivitäten der ein¬zelnen Gesellschaftsklassen stark getrennt voneinander statt, folglich konnte Gauve-Gower nahezu ungefährdet in den bürger¬lichen Salons den berühmten 'Grafen von Saint-Germain' spielen. Ziel war, den wirklichen Menschen Saint-Germain lächerlich zu machen, und auf diese Weise seinen Einfluß bei Hofe zu untergraben.
Mylord Gower steigerte sich in seine Rolle maßlos hinein und erreichte bald schwindelnde Höhen. Hatte der Graf Szenen der Geschichte wiederbelebt, indem er spielerisch so tat, als sei er beispielsweise am Hofe Karls V. zugegen gewesen, so gab sein Double mit absoluter Bestimmtheit vor, am Konzil von Trient teilgenommen zu haben. Damit nicht zufriedengestellt, behauptete er, Gast auf der Hochzeit von Kanaa gewesen zu sein und schon damals Jesus vorausgesagt zu haben, daß es ein böses Ende mit ihm nehmen würde. 'Aber er hat nicht auf mich gehört.’ Als selbst das ihm nicht genügte, wollte er selbst noch die Heilige Anna, die Großmutter Jesu, kennengelernt haben. Immerhin blieb einiges von diesen Übertreibungen in den Gehirnen hängen, denn es wir nicht nur einmal die Anekdote tradiert, in der Saint-Germain sich an seinen Diener gewandt haben soll mit der Bitte, ihm bei der Fixierung eines bestimmten Ereignisses mit seinem Gedächtnis auszuhelfen:

"-Ne me trompe - je pas, Roger? lui dit-il. -Monsieur le compte oublie qu'il n'y aque cinq cents ans que je suis avec lui, je n'ai donc pu assister à cette aventure; ce coit être mon prédécesseur".
Milder geht es bei anderen zu:

"Quelque fois en rendant un discours de Francois I, ou de Henri VIII, il contrefaisait la distraction et disant: 'Le roi se tourna vers moi'... il avalait promptement le moi et continuait avec la précipitation d'un homme qui cTest oublié, 'vers le duc un tel'. "

So erzählt der Baron von Gleichen. War er selbst dennoch ein Opfer, er, der den Grafen gesellschaftlich gut kannte? Er gibt, als einziger, an, Saint-Germain habe ein Französisch mit piemontesischem Akzent gesprochen. Auf einen piemontesischen Ursprung des Grafen weist nur ein Gerücht hin, aber der Schauspieler Gauve stammte aus Piemont! Zumindest für den Pariser Aufenthalt des Grafen kann man also nicht immer die Frage von der Hand weisen: Ist 'Saint-Germain' in Wirklichkeit Mylord Gower?


dieser Text ist noch unvollständig in der Internetversion. Da er bisher praktisch unveröffentlicht ist, dürfte es besser sein ihn wenig ansprechend, als nicht zu publizieren. (fst) Ungestaltetes Scan-Exemplar Fußnoten aus techn. Gründen entfernt Die Seiten werden gelegentlich ergänzt.


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