Graf Saint Germain in der Literatur

Biographische Tatsachen

 

 

Friedhard Radam

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Wie gerät der Suchende an diese Quelle? Immerhin über eine Verweisung im Alphabetischen Katalog der Staats- und Universitätsbibliothek, denn die Bibliothek hat ein Notenmanuskript von "Count de Saint-Germain" in ihrem Besitz.

Auf dem dazugehörigen Katalogzettel heißt es:

"The favourite songs in the opera call'd L'Incostanza delusa (Ausz.) (Comp. by Count St. Germain, d.i.Giovan-nini and Guiseppe Fernando Brivio.) London: Waish (1745). 20 S. 4°..."

Auf der Verweisungskarte ist "Saint-Germain, Ct." allerdings als Pseudonym von Giovannini angegeben.

Erst über den Umweg einer ausländischen Publikation erreicht jemand in diesem Labyrinth sicher sein Ziel: "Grove's Dictionary of Music and Musicians" ; führt unseren Grafen einmal unter "Giovannini" ; und auch unter "Saint-Germain, Count of“ mit genauer Querverweisung.
"Grove's" erste Kennzeichnung seiner Person lautet übrigens "Hungarian mystic"! (und beide Musik-Lexika nennen sein genaues Todesdatum. Weiterhin erfährt man, daß die Gleichung Giovannin = Saint-Germain von einem 'Gerber' stamme, dessen Ausführungen man auch sogleich in der Musikabteilung der SuUB nachprüfen kann, denn er ist Verfasser eines sehr frühen Fachlexikons. In diesem schreibt er:

'Giovannini (...) [Klammern und Punkte von Gerber] Spielte auch als vorgeblicher Graf St. Germain eine Rolle, und das besonders zu London, wo er ums J. 1745 nicht nur ein Konzert in der Lady Brown Hause errichtete, sondern auch ein sogenanntes Pasticcio: L'Incostanza delusa, für die dasige große Oper ein¬richtete, worin seine Arien, z. B. Per pietä bell' idol mio etc. ..."

"Grove's" Autor "A .L. "fährt dann aber fort, die Behauptung Gerbers, Saint-Germains wirklicher Name sei Giovannini - die wie der portugiesische Jude durch Lexika geschleppt wird- scheine völlig unbegründet zu sein (Gerber gibt auch keine Be¬gründung).

Der Verfasser des "MGG" -Artikels dagegen, Heinz Becker, der in anderer Hinsicht so entzückend handfest ist, verdunkelt wiederum die Situation, indem er ausführt: "Die Identität Giovanninis mit dem Grafen von St.Germain, auf die zuerst Gerber (NTL) hinweist, ist sehr wahrscheinlich", mit der kuriosen Begründung, "da Gräfe Giovannini einen geborenen 'adelichen' Italiener nennt, und auch St. Germain meist adelige Pseudonyme bevorzugte", er zählt deren nicht weniger als vierzehn auf. –
Um den Verwirrungen nicht früher als nötig ein Ende zu machen und einen typischen Geschmack dessen zu vermitteln, was dem Rechercheur in Sachen St. Germain zustoßen kann, will ich Becker auch noch weiter wiedergeben:

"In den Sign. von Ballard (1697 und 1706) sind fünf Gb.-Lieder eines "Monsieur de Saint Germain" enthalten. Wahrscheinlich ist also noch zwischen diesem und dem Grafen von Saint-Germain zu unterscheiden."
Dazu der Nachwuchs-Bibliograph: Der Knoten läßt sich wahrscheinlich in diesem Falle leicht lösen, wenn man sich die Jahreszahlen ansieht. Diese Aussage gilt aber nur dann, falls man ak¬zeptiert, daß der Graf von Saint-Germein um das Jahr 1700 herum geboren ist. Hielte man sich hingegen an die Stimmen, die ihm ein sehr viel höheres Alter zugestehen (siehe das Kapitel über die Saint-Germain - Legenden), dann wäre man versucht, die Schlußworte von Fontanes altem Briest zu zitieren –

dieser Text ist noch unvollständig in der Internetversion. Da er bisher praktisch unveröffentlicht ist, dürfte es besser sein ihn wenig ansprechend, als nicht zu publizieren. (fst) Ungestaltetes Scan-Exemplar Fußnoten aus techn. Gründen entfernt Die Seiten werden gelegentlich ergänzt.


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