Graf Saint Germain in der Literatur Biographische Tatsachen Friedhard Radam Bilder Sitemap Links Literaturliste

 Radam-Inhalt
| Die offizielle Geschichtsschreibung läßt diesen Erstgeborenen Leopold-Georg, im Jahre 1700 sterben. Ein Teil der Saint-Germain-Historik ist hingegen der Ansicht, dieser Tod sei fiktiv gewesen, man hätte den Jungen nur für die Akten sterben lassen, da er als Abkömmling eines Rebellen mög¬licherweise in seinem Leben vom Hause Habsburg bedroht gewesen sei. Er sei seiner Mutter fortgenommen und dem befreundeten Hause Medici in Florenz zur Erziehung übergeben worden. Dessen letzter männlicher Sproß, Giovanni Gaston, sei sein Ziehvater gewesen. Der Feindschaft der Dynastie Habsburg wegen hätte "Saint-Germain" nie seinen Namen Rakoczy öffentlich führen können. Zunächst hätte sein wirklicher Vater politische Pläne mit ihm haben wollen, später, nachdem dessen Rebellion niedergeworfen worden, er selbst ins Exil gegangen sei, wäre ein Tragen des Namens inopportun gewesen.
Diese zweite Version hat unter anderem vor allem für sich, daß sie von dem Betroffenen selber stammt. Nicht nur, daß er in einem Inkognito schon vorher sich "Tsárogy" genannt hatte; auch dem Grafen Alvensleben gegenüber, der für Friedrich II. von Preußen sondierend die Fühler nach ihm ausstreckte, teilte er mit, er sei ein Rakoczy. Und an seinem Lebensabend vertraute er dem Landgrafen Karl die Herkunft von diesem Stamm als seine wahre an. Befremdend bei dieser von Karl notierten Geschichte ist auf den ersten Blick nur, daß Saint-Germain, ihr zufolge, den Stammbaum derer von Rakoczy etwas durcheinanderbringt. Abgesehen davon, daß es sich um seine eigene Familie handelte, bestand eines seiner gesellschaftlichen Glanzstücke im Produzieren weit zurückliegen¬der historischer Details und dynastischer Verbindungen. Auch rühmte er sich selbst seines Gedächtnisses - es war offenbar immens. Zu diesem Widerspruch folgendes: Karl als Memoirenschreiber ist im Prinzip unbedingt zu vertrauen. Trotz seines Rufes als "Schwarm¬geist" erweist er sich in seinen Erinnerungen als "ehrliche Haut" und nüchterne Seele. Zu bedenken ist jedoch: Er war bei ihrer Abfassung schon hochbetagt, und er hat sie nicht selbst nieder¬geschrieben, sondern diktiert, die Irrtümer waren also leicht zu erklären. Auch ist nicht einzusehen, warum Saint-Germain am Ende seines Daseins, da er sich längst von den Zentren der Ge¬sellschaft entfernt und auch sonst nichts mehr zu erwarten hatte als den Tod, und dazu noch einem Vertrauten gegenüber geschwin¬delt haben sollte. Mir scheint das ohnehin das stärkste Argument für diesen Ursprung zu sein. Selbst sein angenommener Name läßt sich Saint-Germain selbst zufolge - aus dieser Abstammung aus dem Hause Rakoczy erklären. Seine beiden jüngeren Brüder, wird uns via Karls Memoiren mitgeteilt, seien eines Tages zu (Habsburgs) Kreuze gekrochen und hätten "nach dem Kaiser und der Kaiserin die Namen St. Karlo und St. Elisabeth erhalten". Daraufhin hätte er sich gesagt: "Gut dann will ich mich Sanktus Germanus, den heiligen Bruder nennen" Zur weiteren Illustrierung möglicher Komplikationen will ich an dieser Stelle die Probleme ausbreiten, die sich dem darbieten, der sich Saint-Germain von musikalischen Gefilden her nähert. In dem Standardwerk "Die Musik in Geschichte und Gegenwart“ wurde er auf der Suche nach einem Stichwort "Saint-Germain" überhaupt nichts finden - obwohl in demselben Werk sich, mit Porträt des Grafen und Wiedergabe eines illustrierten Partiturblattes von ihm, fast vier Spalten (= zwei Seiten) über ihn entdecken lassen, mit geradezu ausführlicher Lebensbeschreibung, die in sämtlichen Lexika ihresgleichen sucht, und einer fast zwei Spalten einnehmenden und sehr eng gedruckten Bibliographie, für die das gleiche gilt und das nicht nur bei des Grafen musikalischen Originalwerken - sie ist so genau und ergiebig, wie man es sich bei den meisten in der Hauptsache mit Saint-Germein beschäftigten Autoren vergeblich wünschte. - Nur muß man, um zu dieser Fundstelle zu gelangen, von vornherein wissen, daß man unter "Giovanni nachzuschlagen hätte! |  St. Germain |