Graf Saint Germain in der Literatur

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Friedhard Radam

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Wenn der Zugereiste nicht zufällig eine fundierte Biographie des Grafen in die Hände bekommt - was im deutschsprachigen Gebiet eine Seltenheit wäre - wird er allenfalls über ein Heimatbuch des Kreises Eckernförde die bestimmte Auskunft er¬halten, daß dieser in der gleichnamigen Stadt begraben ist. Auch nach diesen Funden wird ihm jedoch nicht klar, warum eine Persönlichkeit wie Indira Gandhi eigens an diesen entlegenen Ort gereist kommt, um sein Sterbezimmer zu sehen. Das eines "Alchimisten" und "Abenteurers"? ;
Nur wenn der Neuling zufällig auch Besitzer und Benutzer des "Lexikon des Geheimwissens" von Horst E. Miers ist, werden ihm ein wenig die Zusammenhänge klarer. Weiß umgekehrt diese gedachte Person beiläufig von einem Grafen von Saint-Germain, der im Paris Ludwigs XV. ein mysteriöser Mittelpunkt der Gesellschaft war, so muß sie sich fragen: wie gelangt eine solche Erscheinung gerade nach Eckernförde?
Die Person stellt nach einigen weiteren, sehr umständlichen Nachforschungen fest: Der Graf von Saint-Germain, der vermutlich seiner Abstammung nach halber Deutscher war, ist in dem Lande seiner Vorfahren mütterlicherseits nahezu unbekannt oder aber als schwindelhafter Magier verkannt. Das gilt nicht nur für das breite Publikum, sondern für Historiker und Lexikographen gleichermaßen. (Die Bibliothekare als Vermittler der von den soeben genannten Personengruppen erarbeiteten Informationen kann man hier der Natur der Sache nach nicht ausschließen). Bei dem Ver¬such, genauere Auskunft über Saint-Germain einzuholen, stößt man permanent auf Lücken oder Mängel. Lücken insofern schon, als seine Person, ob in "reference works" oder in historischen Darstellungen seiner Zeit, häufig ganz ausgespart wird; Mängel in beiden Richtungen, entweder in der übertreibenden Glorifizierung als "Wundermann" ohne Rucksicht auf die, tatsächlichen Gegebenheiten oder aber in der ungeprüften Übernahme herab¬setzender und über die Jahrhunderte tradierter Bewertung Saint-Germains als einer Art von Ganoven.

Das vorläufige Fazit wäre: der nicht spezialisierte Benutzer einer nicht spezialisierten Bibliothek (hier käme noch die Erschwerung hinzu: spezialisiert auf welchem Gebiet?) kehrt von seiner Suche nach Informationen über den sogenannten Grafen von Saint-Germain mit einem Hirn zurück, das nicht angefüllter als vorher oder aber mit falschen Gewichten belastet ist. -
Der Graf von Saint-Germain ist sicherlich ein Extremfall. Zuviel Parteilichkeit, Mißverständnisse, Verschleierungen und besondere Unwissenheit hat es um ihn herum gegeben, bis heute; weite Strecken seines Daseins sind überhaupt nicht oder kaum aufge¬klärt. Ich bin aber bei meinen Nachforschungen darauf gestoßen, daß es selbst bei Personen, die im vollsten Lichte der Öffentlichkeit standen wie z. B. Ludwig XV., der kaum einen Schritt allein und unbeobachtet tun konnte, und bei dem scheinbar jede Stunde seines Lebens dokumentiert ist, Unklarheiten und Unstimmigkeiten grober Art gibt. Das betrifft vor allem seinen Charakter, aber in etwas entlegeneren Memoirenwerken kann man auch immer noch unbekannte Sachdetails entdecken. Ist dies schon bei angeblich von der Forschung ausgeschöpften Gestalten der Geschichte so, um wieviel mehr kann es bei geringeren Zelebritäten der Fall sein! In diesem Sinne könnte der Graf von Saint-Germain sogar als Musterbeispiel dienen.


dieser Text ist noch unvollständig in der Internetversion. Da er bisher praktisch unveröffentlicht ist, dürfte es besser sein ihn wenig ansprechend, als nicht zu publizieren. (fst) Ungestaltetes Scan-Exemplar Fußnoten aus techn. Gründen entfernt Die Seiten werden gelegentlich ergänzt.


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