Graf Saint Germain in der Literatur Vorwort Friedhard Radam Bilder Sitemap Links Literaturliste

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| Vorwort Einleitung "Heutzutage wissen die Leute so wenig, wer oder was jemand oder was etwas ist, daß sie alles mit allem verwechseln." (Alexander von Lernet-Holenja, Der Graf von Saint-Germain)
Informatorische Ausgangslage " "Sie kann es nicht schreiben', sagte er scharf". / Sie können es fast alle nicht schreiben. Es geht um das Wort "Eckernförde", und "sie" ist in diesem Falle das Mädchen Abelone, dem der Graf Brahe, ihr Vater, in Rilkes fiktiven Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge' seine Memoiren diktiert. In seinem Lebensrückblick ist er hierbei auf die Gestalt des Grafen von Saint-Germain gestoßen.
Ist man nun zufällig Einwohner der Stadt Eckernförde geworden, und kann man weiterhin aufgrund ominöser Erinnerungsfetzen vermuten, daß der Graf von Saint-Germain eine historische Figur sein könnte, so schlägt man vielleicht, von einem Nullpunkt des Wissens aus und neugierig auf die Zusammenhänge, ein altes Lexikon auf und findet beispielsweise folgende Eintragung:
"Saint- Ger m a i n (Graf), ein Alchimist und Abenteurer, der sich zuweilen auch Aymar oder Marquis de Betmar nannte, war wahrscheinlich ein Portugiese und trat um 1770 zuerst in den feinen Pariser Circeln auf. Er war stets auf Reisen und verschaffte sich selbst an mehrern Höfen Zutritt: Zuletzt lebte er in Kassel bei dem Landgrafen Karl von Hessen. Hier starb er 1795, nach andern Angaben 1784 zu Schleswig. Vgl. Bülau, der Graf von S. (in Bd. l der Geheimen Geschichten und rätselhaften Menschen, 2. Aufl., Lpz. 1863).
Von den Ergebnissen meiner Arbeit ausgehend kann ich sagen: an diesem Lexikon-Artikel ist fast nichts richtig oder ausreichend genau wiedergegeben. Ich will hier nur Stichworte zu den einzelnen Bestandteilen geben:
a) in diesem Lexikon von 14 Bänden zu je etwa 1000 Seiten erhält kein weiterer Saint-Germain eine Eintragung (zumindest einer, der französische Marschall und spätere Kriegsminister Claude-Louis de Saint-Germein wäre hier Aspirant gewesen); das ist eine Irreführung, wenn auch hier ausnahmsweise zugunsten unseres Grafen.
b) der Grafentitel wird durch das Hintansetzen und die Klammer in Zweifel gezogen: läßt sich bei der nicht ganz geklärten Herkunft vertreten.
c) "Alchimist" ist der Eintragung in demselben Lexikon zu dem Stichwort "Alchimie" zufolge dem Sinne nach als "betrügerischer Goldmacher" zu übersetzen: Verleumderisch; er hat sich nie mit "Goldmachen" im Sinne von "Geldmachen" beschäftigt;
und zuverlässige Quellen betonen gerade, daß er nie mit Schu|den ein Land verlassen habe.
d) "Abenteurer": zur Definition führt hier das Lexikon Saint-Germein selbst als Beispiel an: "... eine andere Klasse ... bilden die Abenteurer, welche namentlich im 18. Jahrhundert als Alchimisten, Geheimbündler, Magnetiseure usw. den Aberglauben und die Leichtgläubigkeit der Großen ausbeuteten, wie Cagliostro, Graf Saint-Germain und viele andere."
Hier werden zwei Arten von Gewächsen in einen Topf gepflanzt. Cagliostro wird man die genannten Vergehen vorwerfen können; bei Saint-Germain handelt es sich mit ziemlicher Sicherheit um üble Nachrede; eher ist er selbst von den "Großen" ausgebeutet worden. |  St. Germain |