Saint Germain Der Wundermann Europas Ursula Seiler-Spielmann Bilder Sitemap Links Literaturliste

aus "Zeitenschrift" 6 1995
 | aus "Zeitenschrift" 6 1995 Auch seine Eßgewohnheiten waren für die Menschen des 18. Jahrhunderts schwer verdaulich. Der sächsische Gesandte Kau-derbach schrieb am 14. März 1760 an den Dresdener Minister Wackerbarth: „Saint Germaiin sieht aus wie ein kräftiger Fünf-undvierziger (ist er 1696 geboren, wäre er da schon 64 Jahre alt gewesen, die Red.), aber er selbst gibt zu verstehen, daß er kein Fleisch ißt, nur etwas Hühnerfleisch, Fisch und Gemüse. Wenn es mir gelingt, ihm sein Geheimnis, lange zu leben, zu entlocken, so wer de ich es dem König (August III. von Polen Kurfürst von Sachsen) nicht verschweigen. Saint Germain kennt die schönsten Geheimnisse der Natur und weiß Ungläubige zu bekehren oder zu überzeugen." Schwer verständlich auch viele sonst an seinem Wesen: „Um Reichtum und irdische Größe kümmert er sich nicht, es genug ihm, wenn er den Titel "Bürger des Staates" beanspruchen darf. Auch besprach er das Schicksal Frankreichs. Der Ursprung des Übelstandes ist die Schwachheit des Fürsten und die Uneinigkeit um Hofe: vom König bis zur Hanswursterei. Es geschieht also bisweilen, daß er unvorsichtig in seinen Ausdrucken ist. Die Holländer sind gut, aber zu schwerfällig, als daß sie seine Manieren verstünden. Es steht fest, daß in diesem Augenblick wichtige Unterhandlungen geführt werden." Was indes die phantastischen Geschichten an ging - zum Beispiel auch, als er über die heilige Familie berichtete, als ob er selbst zugegen gewesen wäre - nun, das sprengte das Erklärungsvermögen seiner Zeitgenossen. Daß er tatsächlich 4000 Jahre ohne Unter bruch gelebt hat, darf zu Recht bezweifelt werden. Doch wie sieht die Sache aus, wenn man den Tod als das erkennt, was er ist - als bloßes Hinüberwechseln auf andere Seinsebenen? Wenn man um die Tatsache der Reinkarnation weiß. dann ist nicht mehr verwunderlich, aus welchen Zeiten er berichten konnte: Einem Adepten wären bestimmt seine früheren Verkörperungen wie ein offenes Buch vor sich gelegen; einem weit fortgeschrittenen Adepten, einem, vielleicht, der sich sogar ,Meister' nennen durfte. wäre es auch ein leichtes gewesen, in der Akasha-Chronik (der Aufzeichnungen aller Geschehnisse auf Erden) zu lesen. War er ein Meister? In seinem ganzen Leben läßt sich nichts entdecken, was einen Schatten auf sein Wesen werfen könnte. Er galt als lebhaft, dabei stets freundlich und diplomatisch, und er besaß ein Universalwissen und -können, verbunden mit einem wohltemperierten, reinen Charakter, der ihn zum idealen Menschenbild fürs kommende Zeitalter machen könnte. „In jeder Lebenslage beherrscht er sein Ich", schreibt Irene Tetzlaff im Buch "Unter den Flügeln des Phönix". Er sprach Griechisch, Lateinisch, Sanskrit, Arabisch, Französisch, Deutsch, Englisch, Italienisch, Portugiesisch und Spanisch. Er war ein begabter Maler, ein Virtuose auf Cembalo und Geige, gab in London öffentliche Konzerte, schrieb unter dem Pseudonym "Giovanni" eine Oper (L'inconstanza delusa), Lieder, Arien und Soli für Geigen. Daß er dabei keineswegs ein Dilettant war, läßt sich an der Aussage ablesen, die Max Graf von Lamberg (1729-92) in ,Le Memorial d'un Mondain' machte: „Der Mann besitzt tausend Talente; er spielt z.B. vorbildlich Geige und die Zuhörer glauben, fünf Instrumente zugleich zu hören; als Italiener Giovanni, Zeitgenosse von Graun, Telemann und Buch, komponierte er Lieder, sang sie akkkompagnierte sich selbst." (Berlin 1740). Biblische Ereignisse rief er vor Anhängern mystischer Zirkel gegenwartsnah zurück, und auch seine Geschichts- und Geographie-Kenntnisse waren universal. Sein chemisches Wissen überragte das aller Zeitgenossen. Seine Herkunft allerdings lag im Dunkeln, und bis heute ist es niemandem gelungen, diese schlüssig zu erhellen. Eine Hypothese besagt, er sei der erstgeborene Sohn des ungarischen Fürsten Franz II. Rakoczy gewesen und am 28. Mai 1696 in Klausenburg (Cluj) in Siebenbürgen geboren. Seine Mutter war Charlotte Amalie, Tochter des Landgrafen Karl von Hessen-Rheinfels-St.Goar-Wanfried. Im Alter von vier Jahren und drei Monaten "starb" Leopold Georg, so sein Name. Allerdings bloß offiziell, da sonst sein Leben wirklich gefährdet gewesen wäre. Sein Vater war der Anführer der ungarischen Freiheitsbewegung gegen den Thron der Habsburger in Wien. Freunde seines Vaters rieten ihm, den Erstgeborenen außer Gefechtsweite zu bringen, und so soll der kleine Leopold in Florenz bei Giangastone dei Medici, dem letzten des großen Geschlechts, einem mütterlichen Anverwandten, Unterschlupf gefunden haben. Das Kind, da namenlos, erst einfach "bambino" (Knabe) genannt, entwickelte sich zur Freude aller, entpuppte sich als außergewöhnlich begabt und sog alles Wissen auf, dessen es habhaft werden konnte. Als die Zeit der Firmung kam, soll der Medici den Jungen gefragt haben, welchen Namen er denn tragen wolle. "Germanus" solle die schnelle Antwort gelautet haben, nach dem Städtchen San Germano am Fuße des Monte Cassino. einer alten Benediktiner-Abtei, die Bambino oft mit seinem väterlichen Freund aufgesucht hatte. Dann habe er sich korrigiert - "San Germano" solle sein Name sein. In dem Namen liege Geschichtsbedeutung, habe Bambino geäußert. Der Medici riet ihm zur französischen Form: Saint Germain "Heiliger Germane" aus "Zeitenschrift" 6 1995 |  St. Germainfognin.mtg fognin.htm robots.htm |