Saint Germain

Der Wundermann Europas

 

 

Ursula Seiler-Spielmann

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aus "Zeitenschrift" 6 1995

aus "Zeitenschrift" 6 1995
Alles war Schauspiel, alles wurde auf der Bühne der Eitelkeiten beklatscht oder verfemt -begreiflich, denn nur adlige Verzückung garantierte in der Regel für weitere Forschungsgelder. Benjamin Franklin führte seine Entdeckungen zur Unterhaltung seiner Gäste während eines "elektrischen Abends" vor, die Brüder Montgolfier schmückten ihre höchst gefährliche "Maschine", den Luftballon, mit den Initialen Ludwigs XV, um die furchtsamen Zuschauer zu beruhigen. und so erstaunt es nicht, daß der Graf von Saint Germain unter anderem deshalb bei der adligen Damenwelt ein gern gesehener Gast war, weil er in seinem Alchemisten-Labor ein Wasser zur Verjüngung entwickelt hatte.
Phantastisch, ja unglaublich sind denn auch die Dinge, die man über ihn herumerzählte. Friedrich der Große selbst nannte ihn den Mann, der nicht sterben konnte: die Gräfin Gergy rief aus. als sie ihn in Versailles sah: "Vor fünfzig Jahren war ich Gesandtin in Venedig. Ich erinnere mich, Sie dort gesehen zu haben. Sie sahen genau so aus wie heute, wenn auch vielleicht etwas reifer, denn Sie sind jünger geworden!" Der Komponist Rameau (1683-1764) wollte sich erinnern, Saint Germain im Jahre 1701 gesehen und ihn auf um die 50 geschätzt zu haben - etwas älter, als er im Jahre 1743 der Wiederbegegnung wirkte.
Der Graf solle selbst in vertraulichem Ton von einer Unterhaltung mit der Königin von Saba berichtet haben - so als ob es gestern gewesen wäre, oder von den wunderbaren Ereignissen bei der Hochzeit von Kanaan. Er kannte die Klatschereien am Hofe von Babylon. Geschichten, die Jahrtausende zurücklagen und die doch in so seltsamer Weise den Geschichten am französischen Hofe ähnelten, daß er die ganze Versailler Welt damit bestrickte. Es hieß, er könne sich unsichtbar machen und wieder auftreten, wo er wolle, und er selbst hatte einmal dem Freiherrn von Alvensleben bekannt: „Ich halte die Natur in meinen Händen, und wie Gott die Welt geschaffen hat, kann auch ich alles, was ich will, aus dem Nichts hervorzaubern. "
Eine der phantastischen Geschichten über den Comte de Saint Germain erzählt, wie ein Skeptiker den Diener Roger des Grafen angesprochen habe: „Dein Herr ist ein Lügner", und Roger treuherzig antwortete: „Ich weiß das besser als Sie: Er erzählt jedermann, daß er viertausend Jahre alt ist. Aber ich bin erst hundert Jahre in seinen Diensten, und als ich zu ihm kam. sagte mir der Graf, daß er dreitausend Jahre alt sei. Ob er irrtümlich neunhundert Jahre hinzugefügt hat oder ob er lügt, kann ich nicht sagen."
Daß jener Mann, der als Algarotti, WelIdo-ne, Gua de Maiva oder Solar von Fürsten- zu Königshöfen reiste über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügte, bezweifelt keiner seiner
Zeitgenossen. So war verbürgt, daß er einer der hervorragendsten Alchemisten der Geschichte war, daß er Gold herstellen. Diamanten veredeln konnte und auch das Lebenselixier gefunden habe.

aus "Zeitenschrift" 6 1995


Friedrich II. (der Grosse)
König von Preussen
1712 - 1786


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