Saint Germain Der Wundermann Europas Ursula Seiler-Spielmann Bilder Sitemap Links Literaturliste

aus "Zeitenschrift" 6 1995 | aus "Zeitenschrift" 6 1995 Die Idee eines europäischen Staatenbundes war nicht erst seit Saint Germains Auftauchen aktuell. Schon die Tempelritter hatten sie gehegt - und ihr Ansinnen war es gewesen. Europa unter einem König zu vereinigen, der das Blut Jesu (!!!) in sich trug. der direkt vom Hause David abstammte, und deren Nachfahren noch heute in einigen europäischen Fürstenhäusern, u.a. den Habsburg-Lothringern zu finden sind. Der große französische König Heinrich IV. von Navarra wollte die Großmächte in einem europäischen Völkerbund vereinigen, der "Allgemeine Christliche Republik" hätte heissen sollen, und dem auch das Riesenreich Rußland angehört hätte. Die Allianz hätte insgesamt 15 Staaten gezählt, und als Institutionen hatte Heinrich IV. (Henri Quatre, 1553-1610) ein Europa-Parlament und ein Friedensgericht vorgesehen. Das 18. Jahrhundert, in dem Saint Germain sich bewegte, wurde beherrscht von absolutistischen Königshäusern, die mehr in nationalistischem Denken gefangen waren denn je. Der spanisch-österreichische Erbfolgekrieg war wohl mit dem Frieden von Utrecht beendet, hatte aber kleinere und größere Veränderungen nach sich gezogen. Im Norden Italiens residierte das Herzogshaus Savoyen in Turin. Fünf Jahre waren jene Könige von Neapel-Sizilien, dann nahm man ihnen die Krone wieder und bot ihnen stattdessen Sardinien an. Frankreich wurde vom schwachen Louis XV. regiert, der unwissentlich den Boden für die Französische Revolution bereitete, und der Osten Europas war geprägt von den polnisch- sächsischen Erbstreitangelegenheiten. Frankreich, England, Großbritannien und Preußer fochten in der Mitte jenes Jahrhunderts den Sie siebenjährigen Krieg aus. und in Rußland hatten sie Katharina auf den Zarenthron gesetzt. Nun gab es also nicht nur "Friedrich den Großen", sondern auch eine "große" Zarin. Nicht zu vergessen auch der Vatikan mit seinen "Kaisern der Kirche". Alle immer wieder im Streit miteinander, das große Taktieren. Allianzen so brüchig wie tauendes Eis. Bestimmt wäre es leichter gewesen, eine Schar Kampfhunde friedlich zu vereinigen, ab diese widerborstigen, machtverliebten, verschlagenen Könige und Kaiser(innen). Das 18. Jahrhundert war eines des Pomps mit seinem überbordenden Rokoko, aber auch eines in dem sich wie lange nicht mehr Magie und Philosophie, Politik und Religion vermengten. Daß so genannte Zeitalter der Aufklärung war keineswegs so nüchtern, wie wir es uns vorstellen, und auch längst nicht so skeptisch, wie es vielleicht von Gutem gewesen wäre. Die Zahl okkulten Veröffentlichungen nahm nicht ab, sondern zu, Geheimgesellschaften wucherten, und Magische Heilungen, Alchemie, Wünschelruten. Physiognomik und mystische Sekten wurden zum Tagesgespräch. Die Baronesse von Oberkirch schreibt in ihren Memoiren: „Nie hat es mehr Rosenkreuzer, mehr Adepten, mehr Propheten gegeben; nie ist ihnen mit größerer Leichtgläubigkeit zugehört worden als heute." aus "Zeitenschrift" 6 1995 |  Louis XV. Katharina II., Zarin von Russland
|